Sichtbar gemacht:
FrauenGestalten

Unsichtbares sichtbar machen

Unverwüstlich, still und mit Hingabe leisteten Frauen ihren Beitrag in der Geschichte. Waren zuverlässige Kräfte in Häusern, Höfen, Arbeitsplätzen und Klassenzimmern. Oft übersehen, manchmal bewusst in den Hintergrund gedrängt und aufgrund gesellschaftlicher Konventionen benachteiligt.

Da gibt es Frauen, die als „mithelfende Familienmitglieder“ ganz selbstverständlich im Betrieb des Vaters oder Geschäft des Mannes arbeiteten, die trotz Berufstätigkeit des Ehemannes einer zusätzlichen Erwerbsarbeit nachgingen, die aufgrund von gesellschaftlichen Zwängen in Abhängigkeit leben mussten und fremde statt eigene Kinder großzogen, aber auch Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem neuen Selbstbewusstsein auftraten, ihre Möglichkeiten nutzten und trotzdem noch mit alten Vorurteilen kämpfen mussten.

Wir möchten die Geschichten dieser Frauen sichtbar machen, und zeigen, welch erheblichen, aber gern übersehenen Anteil Frauen zu Familienleben, Geselligkeit und wirtschaftlichem Erfolg beitrugen.

Mina Kundner: eine Kindsmagd

Mina wird im Mai 1888 im protestantischen Schillingsfürst, heute im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, als uneheliche Tochter einer Dienstmagd geboren. 71 Jahre später und 200 Kilometer weiter im Süden stirbt sie 1959 bei Kempten im Allgäu im Dienst einer katholischen Familie.

Ihr Leben ist durch ihre uneheliche Herkunft vorgeprägt: Mina wird sehr früh von einer Pflegefamilie im Ort aufgenommen und besucht die Sonn- und Feiertagsschule. Im Alter von 26 Jahren tritt sie ihren Dienst als Kindsmagd an.

Dienstherr ist der gebürtige Allgäuer Ferdinand Merkt. In den Inflationsjahren der 1920er Jahre kehrt die Familie Merkt ins Kemptener Umland zurück und bewirtschaftet einen kleinen Hof. Treu, verbunden und vermutlich alternativlos folgt Mina ihnen und verlässt ihre fränkische Heimat, ihre leibliche Mutter und die Pflegefamilie. Drei Töchter betreut sie für die Familie Merkt. Die wirtschaftliche Not führt dazu, dass auch sie im Landwirtschaftsbetrieb von Ferdinand Merkt fest eingebunden ist, sie arbeitet ebenso im Stall und auf dem Feld. In den Nachkriegsjahren wechselt sie ein letztes Mal ihren Dienstort, folgt der jüngsten Tochter der Merkts und betreut nun die nächste Kindergeneration.

Dieser letzten Dienstverbundenheit ist es zu verdanken, dass wir überhaupt etwas über das Leben der unehelichen Kindsmagd wissen. "Sie diente mir in der gleichen Treue, wie meinen Eltern" heißt es in den schriftlichen Erinnerungen an Mina Kundner.

Mina stand ihr Leben lang in fremdem Dienst einer Familie, eine eigene hatte sie nicht. Sie gehörte zu jenen unzählig vielen unsichtbaren Frauen, ohne die das soziale und wirtschaftliche Leben nicht denkbar gewesen wäre. Sie gestalteten vor allem eines: das Leben anderer.

Bildarchiv SBI

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