Ausstellung Spalierobstanbau in Schwaben

Eine landwirtschaftliche Outdoor-Ausstellung

Spaliergarten im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren: Der Mustergarten zeigt, in welcher Form der Obstanbau auch für windgeschützte Kleinräume wie Hausfassaden und Wegeführungen nutzbar ist. Im 19. Jahrhundert wurde das Ziehen der Bäume als Formgehölze, also Spalierobst, populär. Als ein ökologisches Kleinod erlebt das Spalier heute eine Renaissance im Gartenbau.

In der neuen Ausstellung zum Spalierobstanbau in Schwaben geht es um die Geschichte dieser historischen Form einer bedeutenden Lebensmittelversorgung. Hier erlebt man die Blütezeit des Spalierobstanbaus zwischen 1900 und 1950. Die Ausstellung zeigt, dass Obst nicht nur auf Bäumen mit breiten Kronen wächst. In aufwendigen Formen vom Gärtner erzogen und an Spaliergerüsten befestigt, wurde ,,geformtes Obst“ in Deutschland und auch in Schwaben zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem sehr beliebten Nutz- und Gestaltungselement an Gebäuden.

Obst wird im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Lebensmittel auf dem Land. Auch die städtische Bevölkerung wird mit Obst versorgt. Ab 1890 gründen sich überall in Schwabens Dörfern und Städten Obst- und Bienenzuchtvereine. Sie widmeten sich der Pflege, dem Anbau und der Verwertung geeigneter Obstsorten, mit dem Ziel, Wissen weiterzugeben: Jeder sollte hochwertige Lebensmittel erzeugen können und zu seiner Selbstversorgung beitragen. Für den privaten Anbau von Obst erweist sich die Erziehung an Spalieren als verlässlichste Art, ein wachstumsförderliches Klima zu schaffen und süßes und reifes Obst zu erhalten. Unter dem Schutz von Vordach und Hauswand entsteht ein von der Sonne erwärmtes und von Winden geschütztes Kleinklima. Besonders günstig sind solche Standorte, die vor den Ost- und Westwinden geschützt und weder den Früh- noch den Spätfrösten stark ausgesetzt sind.  

 

Ästhetische Kunstwerke

Auf engstem Raum ließ sich auch mit wenig Gartenfläche der Traum vom eigenen Obstbaum realisieren. Der Wunsch nach Unabhängigkeit durch eigene Lebensmittel drückte sich in dem Stolz vieler Spalierbesitzer aus, damit ästhetisch hervorstehende Kunstwerke nach dem Geschmack der Zeit zu formen. Dicht an der Wand bieten Spaliere vor allem Birnen die notwendige Wärme und Regenschutz zum reifen. Apfelspaliere wie die übereinander verlaufende sog. belgische Hecke, im Spalierobstgarten ist diese zu sehen, werden im Freien eingesetzt und sind ein Vorläufer der modernen Obstplantage.

Präsentiert werden vier originale Gärtnerwerkzeuge, die für die Pflege verwendet wurden. Darunter befindet sich ein Vorläufer der Gartenschere, die Hippe. In einer Fotodokumentation, die rund 100 Jahre zurückblickt, wird die Lebensgeschichte von vier Spalierbäumen in Legau beleuchtet. Diese 100-jährigen begleiteten und ernährten ihre Besitzer über mehrere Generationen.

Landwirtschaft betreiben heißt, sich auf wandelbares, unstetiges Wetter einzustellen und es gewinnbringend für sich zu nutzen. Lange frostreiche Winter stehen sehr kurzen Wachstumsperioden gegenüber. Vier Stelen im Spaliergarten geben mit spannenden Ausstellungsgegenständen greifen die vier Jahreszeiten auf und zeigen, wie abhängig die Landwirtschaft vom Wetter ist.

Ohne die Biene geht nichts!

Die Biene ist heute nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Sie ist ein Garant für die ökologische Artenvielfalt, denn rund 80 Prozent unserer Pflanzen müssen bestäubt werden. Die Kunst der Obstbaumpflege und die Abhängigkeit der Nutzpflanzen von den Bienen zeigt Schwabens Freilichtmuseum in einem einzigartigen Obstgarten-Ensemble. Auf die Fragen, wie das Klima ein Obstjahr beeinflusst, warum wir Bienen brauchen, warum Biene nicht gleich Biene ist und es „dunkel“ um die heimische Honigbiene steht, finden Museumgäste im summenden Lebensraum Antworten.

Die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) ist die einzige in Deutschland einheimische Honigbiene. Durch die Einfuhr fremder Unterarten wie der Kärntner Biene (Apis mellifera carnica) und dem Verlust naturnaher Lebensräume mit der Intensivierung der Landwirtschaft wird sie bis 1907 beinahe ausgerottet. In den 1950er und 1960er Jahren werden alle Erhaltungsbemühungen für die Dunkle Biene zugunsten der Kärntnerbiene aufgegeben. Der gesamte Genpool der Dunklen Biene wird in Deutschland in weniger als 100 Jahren aufgelöst.

 

Das Bienenhaus: ein relativ kurzes Phänomen

Über Jahrhunderte ist die Bienenhaltung (in den Alpen) ein selbstverständlicher Teil der bäuerlichen Selbstversorgung und Nebenerwerb. Damit Obst wächst, braucht es Bienen, die dieses bestäuben. Bienenhäuser und Bienenunterstände sind zweckmäßige, auf wirtschaftlichen Ertrag angelegte Behausungen für die Bienenkästen, ein Tierstall für die Biene, an dem ein Lebensmittel hergestellt wird. Sie unterscheiden sich in ihrer Architektur und Farbgebung je nach Bauzeit voneinander.

Damit Obst wächst, braucht es Bienen, die dieses bestäuben. Das Bienenhaus aus Böhen, Lkr. Unterallgäu ist der Stall für die Biene von 1946. Seit 1997 im Besitz des Museums und direkt neben dem Spaliergarten wird es mit einer Ausstellung erstmals für Besucher zugänglich gemacht. Bienenhäuser sind in einer kurzen Zeitphase um 1880 bis 1960 verbreitet gewesen. Heute betreibt man die Imkerei mit freistehenden Bienenkästen. Das Bienenhaus wurde nach Vorlage von alten Fotografien in dem originalen Farbanstrich aus den frühen 1950er Jahren restauriert. Ein originaler Bienenkasten aus dem Bienenhaus ist in die Fassade integriert und für den Besucher erlebbar.

Winterpause

Das Freilichtmuseum ist in der Winterpause. Aber Winterpause ist nicht gleich Winterschlaf. Folgt uns auf Instagram und erfahrt was wir hinter den Kulissen werkeln und schaffen.

Die Töpferei hat bis einschließlich 23. Dezember geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Das Museumsgasthaus Gromerhof hat ebenfalls geöffnet: Mittwoch und Donnerstag von 17 bis 24 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 11.30 Uhr bis 24 Uhr.