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PRESSE

Mo. 22.08.16

Altes Handwerk hautnah erleben: Ein außergewöhnliches "Werkstatt"-Erlebnis

Kronburg-Illerbeuren. Am Wochenende des 10./ 11. September 2016 kann man im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren (südlich von Memmingen) Handwerksmeister bei ihrer Arbeit beobachten. Über 60 Gewerke - vom Alphornbauer bis zum Zimmermann - sind auf den Handwerkertagen vertreten.

Wer geht denn heute noch zum Wagner, wenn er einen neuen Stiel für sein Beil braucht, wer sucht Hilfe beim Kesselflicker, wenn die Gießkanne ein Loch hat, und wer kauft die Nägel beim Schmied ein? Welch seltsame Fragen, halten doch Baumärkte, Internet und große Handelsketten alles, was man braucht, bereit, während man den Wagner und Kesselflicker vergeblich sucht. Und die wenigen Schmiede würden wohl nur verwundert schauen, fragte man sie nach Nägeln.

Freilich, vieles ist einfacher geworden, auch wenn die Waren eine wahre Weltreise hinter sich haben, bevor wir sie aus dem Regal oder von der Stange nehmen.


Wie anders war das vor hundert Jahren


Wie anders war das vor hundert Jahren: Man kaufte die Schuhe beim Schuhmacher, der nach Maß fertigte, der Küfer machte das Mostfass in der gewünschten Größe und der Sonntagsanzug vom Schneider saß perfekt. Man musste zwar auf die Produkte warten, aber man bekam das, was man wirklich wollte, man kannte den Produzenten persönlich, das Geld blieb im Dorf oder in der Stadt, und es gab Arbeitsplätze vor Ort.

Wie anders klangen die Dörfer vor hundert Jahren: Die eisenbereiften Räder der Fuhrwerke knirschten auf den Schotterstraßen, die Peitschen knallten, wenn das Vieh ausgetrieben wurde, die Schläge des Schmieds auf das glühende Eisen und den Amboss hallten durch das Dorf, an den Sommerabenden erfüllten die Dengelschläge auf die Sensen die Luft und weder Radio noch Musik aus der Konserve begleiteten die Arbeit.

Wie geschickt mussten die Handwerker sein, um ohne Maschinen beste und dauerhafte Waren zu fertigen, welch umfangreiche Erfahrungen mussten gesammelt werden, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Ausdauernd und hartnäckig musste der Lehrling seiner Arbeit nachgehen, um endlich Meister seines Fachs zu werden.

Gleichwohl war diese Zeit nicht rosig! Lange Arbeitszeiten, schwerste körperliche Arbeit, oft geringer Lohn und fragwürdige Lehrmethoden machten das Leben nicht selten bitter. Es war eine andere Zeit.


Handwerkertage in Illerbeuren - einzigartig!


Seit 1980 veranstaltet das Bauernhofmuseum in Illerbeuren seine Handwerkertage, um einen Eindruck von alter Handwerkskunst zu vermitteln. Viele Handwerker sind seit den ersten Jahren dabei, zum Beispiel die Bäckerfamilie Heim aus Illerbeuren, der Polsterer Josef Binzer aus Zell bei Bad Grönenbach, die Küferfamilie Mann aus Dickenreishausen, die Webermeister Schatz aus Heimertingen oder die Seilerfamilie Pfeifer aus Woringen. Sie bemühen sich seit Jahrzehnten, dass das alte Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. Ihre Arbeiten regen das Publikum zum Staunen und Bewundern an. Und die selbst hergestellten Dinge gewinnen wieder an Wert und Bedeutung.


Die Handwerkertage nehmen im Rahmen der Museumsarbeit eine wichtige Position ein. Ein Museum gibt mit seinen Objekten und den Häusern einen umfassenden Einblicke in die Vergangenheit - in unsere Geschichte und die unserer Vorfahren. Aber weder die Benutzung noch die Notwendigkeit sind heute den Museumsbesuchern vertraut. Ein einzelnes Werkzeug allein erschließt sich dem Betrachter oftmals nur schwer; erst die Vorführungen und das Erzählen darüber, machen es verständlich. Fachkundig und bereitwillig geben die über 80 Akteure Auskunft über ihr Können und ihre Arbeit. So sind die Handwerkertage eine lebendige Vermittlungsform - hier kommen Generationen zusammen, lernen und tauschen sich aus.


Und die Handwerker wiederum schätzen die Atmosphäre im Bauernhofmuseum in der sie ihre Techniken, Werkzeuge und Materialien den Besuchern zeigen und erklären können.

Für eine deftige Mahlzeit, ein kühles Bier oder Kaffee und Kuchen bei Musik der ortsansässigen Musikkapellen aus Illerbeuren und Lautrach sorgen die Vereine aus dem Illerwinkel.

Das Museum hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet, die Vorführungen finden von 10 bis 17 Uhr statt.

Honorarfreies Bildmaterial kann erfragt werden.

Kontakt Museum
Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren
Museumstraße 8 | 87758 Kronburg-Illerbeuren
Telefon: (0 83 94) 14 55 | Fax: (0 83 94) 14 54
info@bauernhofmuseum.de || www.bauernhofmuseum.de

Öffnungszeiten:

1. März bis 31. März 10–16 Uhr
1. April bis 15. Oktober 9–18 Uhr
16. Oktober bis 30. November 10–16 Uhr

Montags (außer an Feiertagen) und am Karfreitag geschlossen.

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